Googles neue Bildsuche: Da ginge doch noch mehr…

suche  Google hat seiner Bildsuche eine entscheidende Funktion hinzu gefügt: Seit kurzem können Sie, statt Suchbegriffe in Textform einzutippen, auch mit Hilfe eines Fotos suchen, das Sie entweder aus dem Web verlinken oder von Ihrer Festplatte hochladen. Damit erschließt sich dem eher visuell orientierten Menschen theoretisch eine ganze Fülle von Recherchemöglichkeiten. Praktisch umsetzen lassen sich allerdings noch längst nicht alle.

Suche nach Plagiaten

Wer befürchtet, dass einige seiner Aufnahmen ohne sein Einverständnis im Web verwendet werden, findet in der neuen Google-Bildersuche ein halbwegs brauchbares Hilfsmittel, um wenigstens einige der Plagiateure aufzuspüren – aber gewiss nicht alle. Die Probe aufs Exempel: Ich habe mit Hilfe der Bildsuche versucht, “Plagiate” einer Aufnahme zu finden, die mit meinem Einverständnis (und unter CC-Lizenz) auf mindestens zwei Websites verwendet wird, sowie außerdem in meinem öffentlichen Flickr-Fotostream zu finden ist. Doch Google fand weder die auf den Websites verwendeten Fotos noch das Pendant bei Flickr.

Suche nach Ortschaften und Sehenswürdigkeiten

Eine sehenswerte Landschaftsaufnahme – aber wo war das noch mal? Eine interessante Skulptur – bloß, wen oder was stellt sie dar? Solche Fragen beantwortet die Bildersuche um so zuverlässiger, je üblicher die Perspektive der Aufnahme ist. Die Statue des Erzengels Michael auf der Engelsburg in Rom, die Landzunge, auf der die Altstadt des kroatischen Ferienorts Porec liegt, die Karlskirche in Wien erkannte die Bildsuche präzise, so lange die Perspektiven nicht vom üblichen Schema abwichen. Bei einer Detailaufnahme der Karlskirche, die aber immerhin noch die charakteristische Kuppel und zwei Türme zeigte, lief die Suche ins Leere.

Suche nach Personen

Ein mittlerer Alptraum wäre es, würde nach dem Hochladen eines Porträtfotos der Name der abgebildeten Person erscheinen – sieht man einmal von Berühmtheiten wie Barack Obama ab, ist das aber nicht der Fall. Zumindest die Gesichter meiner Familienangehörigen bleiben trotz einer nicht eben mickrigen Präsenz im Web unidentifiziert. Und auch ein Blick auf die “optisch ähnlichen Bilder”, die Google findet, ist einem potentiellen Stalker wenig hilfreich: Dass Google meint, eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Alec Baldwin und mir zu erkennen, fasse ich einfach mal als wohlmeinende Schmeichelei auf. Für Alec, versteht sich.

Tier- und Pflanzenbestimmung

Nicht die Eidechse, nicht den Schwan, nicht die … äh… Blume konnte Googles Bildsuche erfolgreich identifizieren. Wer also nähere Informationen zu Aufnahmen sucht, die er von Fauna und Flora gemacht hat, fühlt sich von der neuen Bildsuche weitgehend im Stich gelassen. Auch hier sind die “optisch ähnlichen Bilder” nicht hilfreich, weil Google zur Bewertung von Ähnlichkeit Farbanteile, Bildaufteilung und ähnliches so stark gewichtet, dass der tatsächliche Bildinhalt in den Hintergrund tritt. Unter solchen Aspekten kann eine Balearen-Echse dann auch schon einmal “so ähnlich” aussehen wie ein Labrador.

Fazit: Da geht noch was…

Wer die Android-App “Goggles” kennt, weiß: Googles Bildersuche müsste eigentlich mehr können. Es lässt sich nur spekulieren, warum der Suchkonzern das Potential, das in der visuellen Suche steckt, bislang nur zu einem kleinen Teil ausschöpft. Ein befürchteter Sturmlauf von Datenschützern – wenn es etwa um das Identifizieren von Gesichtern geht – wäre ein möglicher Grund. Als sicher dürfte aber gelten, dass die Bildsuche in ihrer jetzigen Form noch längst nicht das Ende der Fahnenstange markiert.

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