gold Sie fotografieren gern? Sie haben schon mindestens eine Aufnahme gemacht, die nicht nur Ihre Mutter richtig super findet? Dann brauchen Sie sich um Ihr Auskommen keine Sorgen mehr zu machen. Und schon gar nicht um Ihr Einkommen. Was Ihnen vielleicht noch fehlt, ist der Schlüssel, um Ihre Fotos in bares Geld zu verwandeln. Deshalb hier ein ganzer Schlüsselbund, um optimal verkäufliche Fotos zu schießen und diese optimal zu verkaufen:

1. Fotografieren Sie analog!

Die Krux an der Digitalfotografie: Selbst die Kopie von der Kopie einer Kopie ist genau so gut wie das Original. Das klingt zwar verführerisch, weil Sie das selbe Foto beliebig oft verkaufen können, aber der Preis ergibt sich nun einmal aus Angebot und Nachfrage: In diesem Fall trifft ein (theoretisch) unendlich hohes Angebot auf eine im besten Fall endlich hohe Nachfrage, die gemeinsam zu einem unendlich niedrigen Preis führen. Optimal verknappen Sie Ihr Angebot, wenn Sie Polaroids schießen – die gibt’s pro Stück nur ein Mal, und überhaupt sind Polaroids gerade mega-in.

2. Fotografieren Sie, was die Leute sehen wollen!

Jemand muss schließlich Ihre Fotos kaufen, und deshalb müssen Sie einen Bedarf treffen. Wenn Sie, gegen meinen Rat, doch auf den Massenmarkt setzen, dann orientieren Sie sich an den Fotos, die in den großen Communities den größten Zuspruch erhalten: Nackedeis in einstürzenden Altbauten, possierliche Tierchen (Hasen, Vögel, Katzen und Hundewelpen werden immer gern genommen) in der Natur, und Sonnenuntergänge, wahlweise mit und ohne Skyline. Es ist nicht schlimm, wenn Ihre Fotos keine Aussage haben – dafür gibt’s schließlich die Bildunterschrift. Das bei Flickr am häufigsten gesuchte Stichwort ist zwar “Wedding”, das bringt Ihnen aber nur etwas, wenn Sie im Auftrag des Brautpaars oder der Hochzeitsgäste fotografieren – oder würden Sie Geld für die Hochzeitsfotos fremder Leute ausgeben?

3. Fotografieren Sie Promis, die sich daneben benehmen!

Es ist nicht überliefert, was für ein Bildhonorar jener Fotograf erhalten hat, der Britney Spears in den blanken Schritt geknipst hat, aber es dürfte genügen, um anspruchsvollen Fotokünstlern vor Neid einen hellen Sepiaton ins Gesicht zu zaubern. In Deutschland ist das problematisch: Um Fotografen das Leben schwer zu machen, hat der Gesetzgeber die “Persönlichkeitsrechte” erfunden. Aber auch hierzulande kann das Fotografieren von Promis sehr gewinnbringend sein: Suchen Sie sich einen streitlustigen, aggressiven und für Gewaltausbrüche bekannten Prominenten aus, und gehen Sie ihm mit Ihrer Kamera so lange auf die Nerven, bis zuerst er die Beherrschung verliert, und danach Sie ein paar Schneidezähne. Die können Sie sich anschließend vor Gericht “vergolden” lassen – er hat’s ja.

4. Seien Sie berühmt!

Versuchen Sie nicht, berühmt zu werden, seien Sie es einfach: Suchen Sie sich eine Vertrauensperson, die als “Agent” oder “Agentin” für Sie auftritt. Der ruft dann bei Abnehmern oder Multiplikatoren an, und macht entweder gleich Aufträge oder zumindest Interviews und Ausstellungen klar. Wenn er Sie im Gespräch erwähnt, sollte er grundsätzlich eine Floskel wie “der weltbekannte Fotograf…” verwenden, damit seinem Gesprächspartner, der noch nie etwas von Ihnen gehört hat, klar wird, das offenbar jeder außer ihm weiß, was für ein toller Hecht Sie sind. Sie brauchen diesen Agenten eigentlich nur, weil es sich doof anhört, wenn Sie im Gespräch andauernd “ich, [Ihr Name], der weltbekannte Fotograf” sagen. Es kann übrigens auch nicht schaden, darauf hinzuweisen, dass einige Ihrer Werke im Louvre hängen. Hauptsache, dem Gesprächspartner ist der Aufwand zu hoch, das zu überprüfen.

5. Bloggen Sie!

Wen Google nicht kennt, der existiert nicht, und wenn Ihr Agent noch so oft mantramäßig “der weltbekannte Fotograf” vor sich hin murmelt. Also bloggen Sie. Das beißt sich nur scheinbar mit Tipp 1 “Fotografieren Sie analog!”, Sie dürfen durchaus Scans Ihrer Aufnahmen briefmarkengroß vorzeigen. Übertreiben Sie schamlos die Zahl Ihrer Besucher, und wenn Sie nicht genug Kommentare erhalten, legen Sie sich ein paar virtuelle Identitäten zu und kommentieren Sie selbst Ihre Meisterwerke. Kritische Kommentare schalten Sie am besten erst gar nicht frei – schließlich soll unter Ihren Bewunderern Konsens herrschen. Falls Sie befürchten, damit an Glaubwürdigkeit zu verlieren, suchen Sie sich gezielt die dämlichsten Negativkommentare heraus und schalten Sie diese frei. Damit vermitteln Sie glaubhaft die Botschaft, alle Ihre Kritiker seien dämlich.

6. Verfassen Sie ein E-Book zum Thema “Reich werden mit Fotos”

Nichts eignet sich so sehr als Kompetenznachweis wie ein exklusiv im Internet erhältliches E-Book, das Sie natürlich regelmäßig auf dem Blog aus Tipp 5 bewerben sollten. Das digitale Cover verzieren Sie mit Luxussymbolen wie einer Yacht, einer Villa, einer Rolex und ähnlichen Ich-habs-geschafft-Signalen, um zu verdeutlichen, wie reich Ihre Leser werden können, wenn sie sich zum Kauf des E-Books entschließen. Inhaltlich können Sie sich gern an diesen Tipps orientieren, müssen das ganze aber natürlich etwas breiter auswalzen. Nebenbei kann Ihr Agent, wie in Tipp 4 geraten, jetzt sein Mantra auf “weltbekannter Fotograf und Autor” erweitern.

7. Werden Sie Talentscout

Nein, damit ist nicht gemeint, dass Sie hoffnungsvolle junge Talente aufspüren und fördern sollten. Spüren Sie sie auf, und vernichten Sie sie. Ziehen Sie mit Ihre virtuellen Identitäten durch Communities und Blogs, und fahnden Sie nach talentierten Enthusiasten, die ähnliche Motive wie Sie fotografieren, ähnliche Techniken einsetzen und an deren Fotos Ihre (potentiellen) Abnehmer Gefallen finden könnten. Und dann kommentieren Sie deren Bilder zu Tode, beschimpfen den Fotografen als fantasielosen Plagiateur, charakterlosen Trendfolger, unbegabten Stümper. Wenn Ihnen partout nur positive Titulierungen einfallen wollen, dann hat es sich bewährt, ein “Möchtegern” voranzustellen.

So, das war’s. Verdammt, jetzt hat der Butler schon wieder Schampusflecken ins Teakdeck meiner Yacht gemacht. Tut mir leid, schätze ich muss dann jetzt los, mir eine neue besorgen. In Monaco sollen gerade ein paar schöne liegen. Da werde ich am besten meinen Privatjet nehmen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

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