Die Welt ist rund, aber Fotos sind rechteckig – meistens jedenfalls. Seit einigen Jahren hat sich speziell im Bereich der Panoramafotografie eine alternative Darstellungsform etabliert: Der “Little Planet”. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Ansätzen, eine Panorama-Aufnahme zur scheinbaren Kugel zu verbiegen – die hier gezeigte Drei-Schritt-Lösung gilt unter Profi-Planetariern eher als “quick and dirty”, hat aber den Vorteil, dass sie keine Einarbeitung in eine Spezial-Software erfordert. Eine einigermaßen anspruchsvolle Bildbearbeitung wie Photoshop (Elements) oder GIMP reicht aus, und sogar in der Mini-Bildbearbeitung IrfanView versteckt sich eine solche Funktion.

Ein Little Planet lässt sich übrigens längst nicht nur aus einem 360-Grad-Panorama formen, es eignen sich auch viele herkömmliche Landschaftsfotos. Voraussetzung für ein ansehnliches Ergebnis ist allerdings, dass die linke und die rechte Bildkante sich (eventuell nach einer kleinen Retusche) möglichst nahtlos aneinander fügen lassen. So geht’s:

Schritt 1: Was nicht passt…

Als Ausgangsbild dient in diesem Beispiel das folgende Hafenpanorama:

ausgangsbild

Wie leicht zu erkennen ist, handelt es sich nicht um ein 360-Grad-Panorama, was aber weniger stört als die Tatsache, dass linker und rechter Bildrand nicht nahtlos aneinanderpassen. Um das möglichst bequem zu erreichen, habe ich in diesem Fall nur einen Ausschnitt aus dem Panorama verwendet und mit seinem horizontalen Spiegelbild kombiniert. Das sieht dann so aus:

passgenau

Ein echtes 360-Grad-Panorama erfordert keine derartigen Schummeleien, und natürlich ist das Spiegeln auch längst nicht die einzige Möglichkeit, die Stoßkanten unsichtbar zu machen. Interessante Ergebnisse liefert zum Beispiel auch der GIMP-Filter “Nahtlos machen”. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Schritt 2: Die Quadratur…

quadratisch Das passend gemachte Ausgangsbild wird nun so skaliert, dass es genau so breit wie hoch ist. Dazu müssen Sie die standardmäßig aktive Option “Proportionen erhalten” deaktivieren, bei GIMP symbolisiert durch eine Kette zwischen Breite und Höhe. Eine Kantenlänge von 3000 Pixeln in jede Richtung ist in der Regel mehr als ausreichend. Wenn Sie nicht mit GIMP arbeiten, ist es wahrscheinlich am besten, wenn Sie das Quadrat anschließend noch um 180 Grad drehen, um im nächsten Schritt den Himmel auf die Außenseite ihres “Planeten” zu bekommen.

Schritt 3: Jetzt geht’s rund

polarkoordinaten Und schon ist die Zielgerade in Sicht: Das obige Quadrat trimmen Sie jetzt auf Planetenform. Unter Photoshop dient dazu der Menüpunkt “Filter/Verzerrungsfilter/Polarkoordinaten”, bei GIMP “Filter/Verzerren/Polarkoordinaten”. In IrfanView versteckt sich eine solche Funktion im Menüpunkt “Bild/Effekte/Einstellungen-Vorschau/Polar Coordinates”.  Der Filterdialog von GIMP bietet allerdings noch ein paar zusätzliche Möglichkeiten:

Über die Angabe des Versatzwinkels können Sie den “Planeten” Ihren Vorstellungen entsprechend rotieren, und dank der Option “Oben beginnen” ist bei GIMP auch das “Auf-den-Kopf-Stellen” aus Schritt 2 nicht unbedingt erforderlich. Wenn Sie die Option “Nach Polar” deaktivieren, können Sie übrigens einen bereits fertigen “Little Planet” wieder zurückverwandeln (bei Photoshop heißt die entsprechende Option treffend “Polar -> Rechteckig”).

Und so sieht das Resultat aus:

planet

Eine ganz andere, aber ebenfalls interessante Wirkung hat das Bild ohne die 180-Grad-Drehung im zweiten Schritt:

planet-alternativ

Ein Landschaftsfoto in einen Little Planet zu verwandeln, ist freilich ein recht extremer Effekt, der entsprechend sparsam eingesetzt werden sollte. Sonst verwandelt sich der anfängliche Wow-Effekt bei den Betrachtern all zu schnell in vernehmliches Gähnen.

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