Wieder einmal schreiben wir den 1. April, und wieder sehen darin etliche Zeitgenossen einen Freibrief, ihren Mitmenschen faustdicke Lügen aufzutischen. Ausnahmen bilden heute nur Politiker und Gebrauchtwagenhändler, denen es von Amts wegen unmöglich ist, den Wahrheitsgehalt ihrer Worte noch stärker als üblich zu reduzieren.
Lügen kann man trefflich auch mit Fotos, wie die eben abgeschlossene Blogparade “Deine beste Fälschung” von Shockmotion zeigt. Die dort aktiven “Fälscher”, meine Wenigkeit eingeschlossen, haben eines gemeinsam: Ihre Fälschungen sind allesamt Manipulationen des Bildinhalts.
In einem Foto steckt jedoch mehr, als das Auge sieht: Praktisch jede Kamera hinterlegt EXIF-Daten und andere Meta-Informationen in den Bilddateien. Datum und Uhrzeit der Aufnahme, Kameramodell, Belichtungsparameter, Brennweite und vieles mehr lassen sich aus diesen Daten auslesen. Und wenn ein Fotograf – etwa in einer Fotocommunity – bei der Schilderung der Bildsituation und der eingesetzten Ausrüstung die Wahrheit etwas dehnt, finden sich ganz schnell Experten, die ihm derlei Schwindeleien mit Hilfe seiner eigenen EXIF-Daten nachweisen. Wer also richtig fälschen will, der muss auch diese Daten manipulieren.
Schummeln mit Freeware
Es gibt gleich eine ganze Reihe von Programmen, die es ermöglichen, EXIF-Daten auszulesen. Bei den meisten davon beschränken sich die Manipulationsmöglichkeiten jedoch auf wenig mehr als Uhrzeit und Datum – nicht so bei dem ExifTool von Phil Harvey, das sowohl in einer Windows-, als auch in einer Mac-Version zur Verfügung steht.
Leider steht der Bedienkomfort dieses Tools im umgekehrten Verhältnis zu seinen Möglichkeiten. Dieses Problems hat sich aber ein anderer Programmierer angenommen: Windows-Nutzer können das Tool ExifToolGUI einsetzen, um dem nützlichen Werkzeug eine grafische Benutzeroberfläche zu verleihen.
Zunächst laden Sie beide Tools herunter, und extrahieren die darin enthaltenen Dateien ‘exiftool(-k).exe’ und ‘ExifToolGUI.exe’ in einen gemeinsamen Ordner. Dort benennen Sie die Datei ‘exiftool(-k).exe’ in ‘exiftool.exe’ um.
Jetzt starten Sie die Software mit einem Doppelklick auf die Datei ExifToolGUI.exe. Über die grafische Benutzeroberfläche können Sie nun die Fotos auf Ihrer lokalen Festplatte ansteuern. Ein Klick auf “Thumbs” oberhalb des Dateifensters zeigt Ihnen kleine Vorschaubildchen. Um die Daten eines speziellen Bildes auszulesen, genügt ein Klick darauf.
Wollen Sie nun gezielt einzelne Daten ändern, klicken Sie auf die jeweilige Edit-Schaltfläche unterhalb der Schaltflächen “EXIF”, “IPTC” oder “XMP”. Über ein Dialogfenster können Sie die dort hinterlegten Daten nun Ihren Wünschen anpassen – zum Beispiel Ihre Kamera in die bislang noch sagenumwobene “Nikon D400″ verwandeln, vortäuschen, Sie könnten sich ein Objektiv mit einer Offenblende von 0.8 leisten oder andere Bilddaten “korrigieren”. Auf den Bildinhalt wirken sich diese Änderungen natürlich nicht aus.
Ebenso hilfreich wie verboten ist es übrigens, auf diese Art Bilder für die Teilnahme an Wettbewerben vorzubereiten, bei denen nur Fotos eines speziellen Kameramodells oder Herstellers zugelassen sind, oder die von Photoshop und anderen Bildbearbeitungsprogrammen hinterlassenen Spuren zu beseitigen, wenn bei einem Wettbewerb nur unbearbeitete Fotos erlaubt sind…







3 Comments to “Schöner schwindeln: Wie Sie EXIF-Daten und andere Informationen in Ihren Fotos fälschen”
[...] Linktipp: Lug und Trug mit EXIF-Daten [...]
[...] sie aus dem entsprechenden Zeitraum sind… Mit Beweisen in der digitalen Welt ist das so eine Sache… . Meine Board-Links Zitieren + Antworten « [...]
[...] Wie man EXIF-Daten fälscht: http://www.foto-reporter.de/2010/04/ungelogen-wie-sie-exif-daten-und-andere-informationen-in-ihren-f... [...]