ladenschluss Fünf Ideen, um neuen Schwung in Ihre Fotografie zu bringen – in diesem Artikel habe ich fünf Übungen aufgelistet, die gegen Schwung- und Ideenlosigkeit helfen und den Blick für neue Möglichkeiten öffnen sollen. Der dritte Tipp enthielt die Empfehlung “Weg mit der Farbe!” und regt dazu an, schon bei der Aufnahme bewusst auf die Farbe als Gestaltungsmittel zu verzichten, und die Kamera auf “schwarzweiß” oder “sepia” umzustellen.

fluchtwagen Fotograf Friedrich Ganter hat diesen Tipp vor einiger Zeit umgesetzt und zeigt im Artikel Ein Tag in Schwarz/Weiß auf seinem Blog eine Reihe sehenswerter Ergebnisse. In der letzten Zeit – in der, wie viele wissen, der Schwarzanteil in den Farben meines Lebens vorübergehend etwas größer geworden ist – habe ich mich selbst wieder ein wenig mit dieser Idee beschäftigt. Weil das Leben (und nicht zuletzt auch der Tod) eine ganze Reihe von Laufer- und Fahrereien mit sich bringt, habe ich mich entschieden, als Kamera für dieses Experiment mein Telefon, ein SonyEricsson W890i, zu verwenden, das (bei allen mit der Handy-Fotografie verbundenen Einschränkungen) sehr ansehnliche Schwarzweiß-Aufnahmen ermöglicht, und das ich ohnehin immer dabei habe.

Eines konnte ich sofort feststellen: Das Fotografieren im Schwarzweiß-Modus hat so überhaupt nichts mit dem analogen Fotografieren mit einem Schwarzweiß-Film gemeinsam – letzteres erfordert eindeutig mehr Kopfarbeit, während die Vorschau im Display bei der digitalen Fotografie sofort verrät, ob das anvisierte Motiv in schwarzweiß überhaupt wirkt. So konnte ich komplett darauf verzichten, auf den Auslöser zu drücken, als ich die Kamera auf ein Blumengesteck richtete, das satte, kräftige Gelb-, Blau- und Rottöne aufwies, und sich auf dem Display in einen nicht einmal sonderlich kontrastreichen Brei aus Grautönen verwandelte.

Freilich sind Motive, die sonst durch ihre Farbe wirken, nicht automatisch für die Schwarzweiß-Fotografie ungeeignet, wie mir ein Experiment am heimischen Notebook zeigte. Ich wählte als Desktop-Hintergrund einen knallig-orangen Sonnenuntergang, legte einen Karton auf die Tastatur, und stellte meine “Voigtländer Prominent” (eine Systemkamera, die ein gutes Stück älter ist als ich) darauf ab.

Retro

Zur Info: Es gibt auch Aufnahmen, auf denen die Kamera scharf abgebildet ist, aber deren emotionale Wirkung (auf mich, jedenfalls) lässt sich nicht annähernd mit der Wirkung dieser Aufnahme vergleichen.

Letsgo Eine weitere persönliche Beobachtung: Mit der Zeit begann ich, potentielle Motive nach anderen Maßstäben zu beurteilen: Manches, was mir in Farbe nie den Druck auf den Auslöser wert gewesen wäre, erschien mir plötzlich als interessantes Motiv, während manch anderer Anblick ohne die Wirkung der Farbe für mich jeden fotografischen Reiz verlor.

Ich behaupte nicht, dass die bei der Umsetzung dieser Idee erzielten Aufnahmen grundsätzlich besser sind als konventionell fotografierte – eher im Gegenteil. Aber darum geht es ja auch gar nicht: Die über einige Stunden praktizierte Selbstbeschränkung ist vor allem Tuning für Auge und Gehirn. Denn die besten Bilder entstehen nicht in der Kamera, sondern im Kopf des Fotografen.

himmel

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