kerzenlicht Festlichkeit, Romantik, Erotik: Kaum eine Art von Licht transportiert solche Stimmungen so gut wie Kerzenschein. Das Windlicht auf der Gartenparty, der fünfarmige Leuchter auf der festlich gedeckten Tafel, das Flammenmeer aus Teelichtern oder die kleine flackernde Wachskerze: Jede von ihnen prägt die Stimmung in ihrer Umgebung auf einzigartige Weise. Doch es ist eine Herausforderung, brennende Kerzen so zu fotografieren, dass diese Stimmung auch auf der Aufnahme erhalten bleibt.

Zielen, abdrücken, fertig: Wer es sich so einfach macht, wird bei der späteren Sichtung seiner Fotos eine Enttäuschung erleben. Die sofortige Bildkontrolle via Kameradisplay ist auch keine große Hilfe, denn eingehüllt von der Stimmung am Ort der Aufnahme, entgeht dem Betrachter zunächst, was seinen Aufnahmen fehlt.

Stimmungskiller “Mischlicht”

Mischlicht verdirbt nicht nur dem automatischen Weißabgleich der Kamera die Laune. Selbst wenn der perfekt arbeitet, entspricht die Lichtstimmung auf der Aufnahme später nie der subjektiv empfundenen. Der Grund: Unsere Emotionen haben erheblichen Einfluss auf unsere Wahrnehmung. Das köstliche Bouquet, das sich aus den gefüllten Weingläsern verbreitet und die sanfte Soul-Ballade, die basslastig den Raum füllt, haben mindestens den gleichen Einfluss auf die Emotionen wie die Kerzen, die die Tafel erhellen – da blendet der Betrachter das zusätzliche Licht aus einer kalten Neonröhre oder das durchs Fenster einfallende Rest-Tageslicht mit Leichtigkeit aus. Nicht so die Kamera, der dafür Sound und Duft vollkommen gleichgültig sind.

Es gilt daher, Mischlicht so weit wie möglich zu vermeiden. Bei Außenaufnahmen warten Sie am besten den Sonnenuntergang ab, und in Innenräumen verzichten Sie auf die Deckenbeleuchtung, und verdunkeln, falls erforderlich, die Fenster. Letzteres geht natürlich nur in den eigenen vier Wänden – bei einem Restaurantbesuch wird man Ihnen das mit Rücksicht auf die übrigen Gäste wohl eher nicht gestatten. Tunlichst verzichten sollten Sie deshalb übrigens auch auf den Blitz Ihrer Kamera.

Herausforderungen

kerze Wenn es Ihnen gelingt, alle Lichtquellen mit Ausnahme der Kerzen auszuschalten, ergeben sich die nächsten Probleme: Eine verwacklungsfreie Aufnahme setzt ein Stativ oder jedenfalls eine stabile Auflage für die Kamera voraus. Das oben gezeigte Foto wurde bei Blende 4,5 und einer Viertelsekunde Belichtungszeit aufgenommen. Ein zweites Problem ist der bei solcher Beleuchtung sehr hohe Kontrastumfang: Tiefe, fast schwarze Schatten kontrastieren mit den leuchtend weißen Flammenkernen.

Dem kann der Fotograf auf zwei Arten begegnen: Er kann die daraus resultierende Bildwirkung so belassen wie sie ist, und sie vielleicht sogar als Stilmittel einsetzen, auch wenn sie nicht der empfundenen Bildwirkung in der Realität entspricht. Oder er kann eine Belichtungsreihe aufnehmen und zu einem HDR-Bild kombinieren, das von den dunkelsten bis zu den hellsten Bereichen korrekt ausgeleuchtet ist.

Ein abschließender Tipp: Ob es nun um das Fotografieren auf einem Festbankett geht oder das Festhalten eines sehr privaten Moments zu zweit – nicht nur Mischlicht ist ein Stimmungskiller, sondern auch ein Fotoenthusiast, der in seinem Bemühen um das perfekte Bild allen übrigen Anwesenden auf die Nerven geht.

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