Zu kaum einer anderen Gelegenheit wird so ausgiebig fotografiert wie auf Reisen. Die dabei entstehenden Aufnahmen sind zugleich Reiseandenken für den Reisenden selbst und Dokumentation für die Daheimgebliebenen. Misslingt dabei eine Aufnahme, ist sie nicht  oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand wiederholbar – um so enttäuschender, wenn sich zu Hause zeigt, dass die Fotos allenfalls Durchschnitt sind.

Reiner Harscher “Auf Reisen wirkungsvoll und spannend fotografieren” – darum, so steht es auf dem Cover, dreht sich die DVD (alternativ auch als BluRay-Disc erhältlich) “Reisefotografie – Ein Fotoworkshop mit Reiner Harscher”. Nachdem ich erst kürzlich die Gelegenheit hatte, den weit gereisten Fotografen zu interviewen, konnte ich mir  inzwischen auch die DVD in aller Ruhe ansehen.

Beim Fotografieren unterwegs ist der Reisende in fast allen fotografischen Disziplinen gefordert, von Makro-Aufnahmen der örtlichen Flora und Kleintierwelt über Landschafts- und Architektur-Fotografie bis zu den Porträts Einheimischer. Dabei begegnet er den verschiedensten Lichtsituationen, vom prallen Sonnenlicht bis zur Neon- oder auch zur Fackelbeleuchtung bei Nacht. Eine Menge Stoff, die Harscher da in einer Stunde zu bewältigen hat – aber er bewältigt die Herausforderung didaktisch tadellos.

Strukturiertes Lernen

Sauber strukturiert erklärt er die wichtigsten Regeln der Bildkomposition: Wie Linien das Auge des Betrachters führen, wie sich durch die Positionierung des Hauptmotivs dessen Dominanz variieren lässt, und er geht natürlich auch auf den “goldenen Schnitt” ein, den er – im Gegensatz zu so manchem selbsternannten Lehrer in den Fotocommunities – aber dankenswerter Weise nicht zum Dogma erhebt.

Nomade (Foto: Reiner Harscher) Auch zum Fotografieren von Tieren in freier Wildbahn und dazu, wie sich Einheimische dazu bewegen lassen, sich für ein Porträtshooting zur Verfügung zu stellen, gibt Harscher interessante Hinweise. Einen nur geringen Platz nimmt die Technik auf seiner DVD ein: Den Zusammenhang von Blende, Brennweite und Tiefenschärfe macht er – wie eigentlich jeden Lehrpunkt – mit Hilfe diverser Aufnahmen anschaulich, und auch um zu verdeutlichen, wie unterschiedlich sich Tele- und Weitwinkel-Brennweiten bei gleich groß abgebildetem Hauptmotiv auf das Gesamtbild auswirken, zeigt er entsprechende Beispielbilder. A propos Bilder: Die Fotos, die Harscher im Laufe des Workshops präsentiert, passen nicht nur didaktisch perfekt zu dem, was er jeweils vermitteln will, sondern sind auch für sich genommen eine Augenweide. Entstanden sind sie unter anderem in Schottland und Irland, Kanada und Alaska, im Iran, in der Toskana und auf den Seychellen.

Anspruchsvolle Hobbyfotografen, die vom Wissen her nicht mehr ganz am Anfang stehen, werden wohl am meisten von der DVD profitieren, auch wenn sich viele Hinweise – speziell die zur Bildkomposition – auch ganz ohne Vorwissen umsetzen lassen. Und auch wer schon einige Jahre mehr oder weniger regelmäßig fotografiert, tut gut daran, sich mit Hilfe der DVD von Zeit zu Zeit den einen oder anderen Aspekt ins Gedächtnis zu rufen.

Und damit bin ich bei einem Wermutstropfen angelangt: Es gibt kein DVD-Menü, über das sich gezielt ein spezielles Kapitel aufrufen ließe – das ist um so ärgerlicher, als Harscher den Inhalt ja durchaus in einzelne Kapitel untergliedert hat. So bleibt dem Zuschauer nur, von Hand im Inhalt vor- und zurück zu blättern, bis er die für ihn interessante Stelle gefunden hat. Wer diese Mühe nicht scheut, findet im Fotoworkshop Reisefotografie ein auf das wesentliche komprimiertes, und zugleich ästhetisch ansprechendes Seminar in Film-Form.

Der Fotoworkshop ist als PAL (Euro 29,95) oder Blu Ray Disc (Euro 37,95) zur Zeit nur im online Shop bei Reiner Harscher unter www.harscher.de erhältlich.

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