Sie verwaltet und durchsucht riesige Bildbestände, bietet jederzeit umkehrbare, und obendrein kinderleicht zu bedienende Korrekturfunktionen, verschickt Fotos auf Knopfdruck per E-Mail, synchronisiert auf Wunsch die lokal gespeicherten Bilder mit den Picasa Webalben, und vieles mehr. Erschreckend vieles mehr.

Vor ein paar Tagen ist Google Picasa in Version 3.6 erschienen. In der Liste der Neuerungen nennt Google das verbesserte Tagging von Namen: “Mit Namens-Tags können Sie Ihre Fotos nach dem Wichtigsten ordnen: den abgebildeten Personen”, heißt es auf der Picasa-Website unschuldig. Diese Gesichtserkennung sollten Sie sich ganz genau ansehen. Daran kommen Sie ohnehin kaum vorbei, wenn Sie die aktuelle Picasa-Version auf Ihrem Rechner installieren.

Gesichtserkennung de luxe

Picasa findet Gesichter Kurz nach dem ersten Programmstart erscheint in der Ordnerliste die Meldung “Es wird auf Gesichter gescannt”, und ein Klick darauf zeigt, welche Gesichter Picasa in den Bildern auf Ihrem System bereits entdeckt hat. Gesichter, die einander sehr ähnlich sind, fasst Picasa in Gruppen zusammen, denen Sie dann gesammelt Namen zuordnen können. Auch das erfordert nur wenige Mausklicks, und Picasa bietet Ihnen an, bei dieser Gelegenheit auch gleich deren E-Mail-Adressen zu erfassen. Je mehr Fotos Sie einer einzelnen Person zuordnen, desto treffsicherer erkennt Picasa diese Person später auch auf anderen Fotos.

Für Sie ist das zunächst eine feine Sache: Um schnell einmal alle Fotos aufzuspüren, auf denen Ihr Kumpel Bernd zu sehen ist, genügt später ein Klick auf “Bernd” im Album “Personen”. Und wenn Sie Bernd (oder sonstwen) auf einem Gruppenfoto schnell identifizieren möchten, klicken Sie in der Personenliste auf seinen Namen: Eine Markierung zeigt Ihnen augenblicklich, wo sich der Gesuchte auf dem Bild befindet.

Das alles sind nicht etwa schönfärberische Werbesprüche für eine Funktion, die sich noch im frühen Alphastadium befindet. Picasa identifiziert einmal bekannte Gesichter selbst auf stark verpixelten Aufnahmen erstaunlich zuverlässig. Und dass das nicht nur zufällig in meinem Bildbestand funktionierte, zeigt ein Blick in die Blogosphäre, wo Picasas Gesichtserkennung derzeit einhellig gelobt wird, zum Beispiel bei: Knecht Ruprecht, Fotonoma.de oder Fotoguerilla

So weit, so gut – aber diese Funktion macht mir Angst, und das sollte Sie Ihnen auch machen:

Weiter gedacht: Kennt bald jeder jeden?

Ein Gesicht in der Menge Diese nützliche, für den einzelnen überaus praktische, Funktion bietet ein Potential, das noch nicht zu einem Bruchteil erschlossen ist. Aber Google wäre nicht Google, wenn das so bleiben würde. In einer nächsten oder übernächsten Version könnte Google anbieten, die Namens-Tags auf Basis der in den Picasa-Webalben gesammelten Daten automatisch zuzuordnen.

Dann würden Spanner und Stalker endlich den Namen und die E-Mail-Adresse der Strandschönheit erfahren, die sie im letzten Urlaub heimlich mit der Handy-Kamera abgeschossen haben. Regierungsbehörden könnten die Teilnehmer von Kundgebungen und Demonstrationen nahezu in Echtzeit identifizieren, was nicht nur in China, im Iran oder in Nordkorea für Begeisterungsstürme und volle Straflager sorgen würde. Und auch hierzulande würde ein kurzer Blick in die Kamera eines Polizisten genügen, schon könnten die Ordnungshüter Ihren Punktestand in Flensburg, Ihr Vorstrafenregister oder die Gültigkeit Ihrer Fahrerlaubnis überprüfen.

Natürlich würde bald auch das Business davon profitieren: Stellen Sie sich vor, Sie betreten in einer fremden Stadt ein Geschäft, in dem Sie noch nie gewesen sind, und werden sofort mit Ihrem Namen begrüßt, weil eine Kamera am Eingang Ihr Gesicht erfasst, und Google daraufhin in ein Display an der Theke – oder direkt in die Brille des Verkäufers – Ihren Namen eingeblendet hat. Noch etwas später vielleicht sogar ergänzt um Ihre persönlichen Präferenzen und Einkommensverhältnisse. In letzter Zeit war des öfteren zu lesen, Facebook werde zunehmend zur Konkurrenz für Google. Aber vielleicht ist es umgekehrt – vielleicht arbeitet Google längst am größten Gesichter-Buch aller Zeiten.

Zugegeben, solche Szenarien sind derzeit reine Spekulation. Aber es ist sicher nicht zu früh, darüber nachzudenken, was auf uns zukommen könnte – wenn wir es zulassen.

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