Die meisten Einsteiger in die Fotografie knipsen erst einmal wild drauf los, überlassen der Kamerautomatik Belichtung und Fokus und denken wenig über Perspektive, Tiefenschärfe und ähnliche Aspekte nach. Doch irgendwann steigen die Ansprüche: Sie lesen die ersten klugen Bücher über das Fotografieren, verfolgen die Diskussionen in Fotocommunities und lernen parallel dazu in der Praxis, welche Technik sich für welche Art von Motiven eignet. Porträts gelingen am besten mit leichter Telebrennweite, Stilleben sollten maximale Tiefenschärfe aufweisen, das Hauptmotiv sollte im goldenen Schnitt liegen: Stimmt alles.
Doch solche Regeln – so richtig sie im Normalfall sein mögen – zum Dogma zu erheben, ist der Tod jeder Kreativität, und mit ihr stirbt früher oder später auch die Freude am Fotografieren. Im Artikel Fünf Ideen, um neuen Schwung in Ihre Fotografie zu bringen ist der zweite Tipp deshalb, “die falsche Technik am falschen Ort” einzusetzen – im Gegensatz zu einem absoluten Einsteiger aber bewusst.
Natürlich musste ich auch diesen Tipp selbst ausprobieren. Im Vergleich dazu, 60 Fotos in 60 Minuten zu schießen, schien dieser Tipp einfacher umzusetzen, gab es doch kein Zeitlimit und nur eine Regel: “Missachte die Regeln”. Ein Blick aus dem Fenster schien mir auch schon einen Regelverstoß nahezulegen, gilt grausiges Regenwetter doch als klassisches Nicht-Foto-Wetter. Mir war aber nicht nach Regenspaziergängen, weshalb ich Sie an dieser Stelle kurz in mein Wohnzimmer bitten darf (anklicken für eine vergrößerte Darstellung):
Für Innenaufnahmen setzt man gemeinhin ein Weitwinkelobjektiv ein, stellt sich in eine Ecke des Raumes und fängt mit dem vom Objektiv gebotenen Bildwinkel so viel Innenraum ein wie möglich. Wie Sie sehen, geht es auch anders: Was Sie hier sehen, ist das Resultat aus sechs mit einem Stativ aufgenommenen Einzelbildern, die ich anschließend mit dem Panorama Maker 4 Pro zu einem Gesamtbild zusammengefügt habe. Die bei den Aufnahmen schräg aufwärts geneigte Kamera (ein weiterer Regelverstoß) trägt nicht unwesentlich zu dem gewöhnungsbedürftigen Bildeindruck bei.
Innenraum-Panoramen sind zwar kein krasser Regelverstoß, sie kommen aber sonst fast ausschließlich bei der Abbildung von Kathedralen, Palästen und anderen großen Räumen zum Einsatz. Zumindest für mich war es die erste Panorama-Aufnahme in meinem Wohnzimmer. Und nebenbei wieder eine bereichernde Erfahrung.








