Reiner Harscher Reiner Harscher ist auf allen Kontinenten zu Hause. Zu seinen Schwerpunkten gehören Landschaft und Tierwelt seiner Reiseländer genau so wie die dort lebenden Menschen und ihre Kultur. Bekannt ist er durch seine Multivisionen, bei denen er seine Aufnahmen auf eine riesige Panoramaleinwand projiziert, aber auch als Leiter fotografischer Workshops und Seminare, und nicht zuletzt als Verfasser etlicher Fotobildbände und Reiseerzählungen auf Video-DVD.

Auf seiner aktuellsten DVD (auch als BluRay in Full-HD) verbindet er seine Erfahrungen als Reisefotograf mit dem didaktischen Anspruch seiner Seminare: „Reisefotografie – Ein Fotoworkshop mit Reiner Harscher“, so der Titel. Anlass genug, ihn zu einem Interview zu bitten:

In Ihrer Vita beschreiben Sie sich als “Fotograf und Weltreisender” – wie kam es zu Ihrer Entscheidung für diesen Berufs- und Lebensweg?

Geparden in Namibia „Ich war schon Schüler und Student oft und gern mit der Kamera in unseren heimischen Wäldern unterwegs, um Natur und Tiere zu fotografieren. Zunächst einmal bin ich dann aber Elektro-Ingenieur geworden, und habe auch in diesem Beruf gearbeitet. Währenddessen habe ich aber das Fotografieren nie aufgegeben.

Vor etwa zwanzig Jahren habe ich dann den Beruf gewechselt und mit dem Fotografieren und Reisen auf professioneller Basis weiter gemacht. Meinen Schwerpunkt habe ich zunächst auf Tier- und Naturfotografie gelegt – das macht immer noch einen Teil meiner Bilder aus, aber inzwischen sind auch die Menschen und ihre Kultur immer stärker in den Mittelpunkt gerückt.“

In diesem Beruf sind Sie zwangsläufig sehr viel unterwegs – wird Ihnen das nicht manchmal zu viel?

„Es stimmt, pro Jahr bin ich vier bis fünf Monate unterwegs. Aber eine einzelne Reise dauert nur ganz selten einmal sechs bis acht Wochen. In der Regel sind wir vier Wochen am Stück unterwegs – manchmal auch weniger – und dann freue ich mich auch wieder, nach Hause zu kommen, um mich zu „resetten“. Wenn sich ein Fotograf zwei oder drei Monate lang irgendwo aufhält, wird auch die beeindruckendste Umgebung für ihn normal, und er verliert seine Sensibilität. Wenn ich erst einmal für zwei, drei Wochen zu Hause war, mache ich mich dann auch gern wieder auf die nächste Reise.“

Viele Hobbyfotografen bringen von ihren Reisen zwar recht ansehnliche Landschafts- und Architekturaufnahmen mit, scheuen sich aber, auf Einheimische zuzugehen, um sie zu porträtieren. Haben Sie einen Tipp, um diese (oft ja auch beiderseitige) Scheu zu überwinden?

Gespräch mit einer Hererofrau „Diese Hemmschwelle kennt wohl jeder, und es gibt auch kein fertiges „Kochrezept“, um sie zu überwinden. Als ganz wichtig empfinde ich es, offen, freundlich, aber auch sehr sensibel auf die Menschen zuzugehen, und ihnen nicht einfach sofort die Kamera vors Gesicht zu halten. Es ist immer gut, sich viel Zeit zu lassen, und erst einmal ein Gespräch zu führen, bei Sprachschwierigkeiten eben mit Händen und Füßen. Fotografieren Sie am besten irgendetwas aus der Umgebung, und zeigen Sie Ihrem Gesprächspartner das Bild auf dem Display, schon ist der erste Kontakt hergestellt. Und wenn Sie ihn dann fotografieren, nehmen Sie eventuell zunächst ein Gruppenfoto der ganzen Familie auf, bevor Sie Einzelaufnahmen machen. Wer freundlich, respektvoll und sensibel ist, bekommt fast immer die Erlaubnis – außer in einigen Kulturkreisen, in denen es grundsätzlich nicht erlaubt ist, Menschen zu fotografieren.“

Mancher fürchtet das Risiko, seine Ausrüstung könne gestohlen werden oder schlicht mit dem Fluggepäck verloren gehen. Haben Sie da einen Ratschlag?

„Ich würde das Risiko nicht überbewerten. Deshalb auf die Kamera, oder auch nur auf Teile der Ausrüstung zu verzichten, wäre unangemessen. Wer seine Ausrüstung nicht mit dem Reisegepäck aufgeben möchte, kann sich ja den Kamerabody um den Hals hängen und die Objektive in Objektivköchern am Gürtel befestigen. Das Diebstahlsrisiko können Sie auch verringern, indem Sie ihre Ausrüstung nicht sichtbar herum liegen lassen, zum Beispiel im Auto. Aber das gilt in Namibia genau so wie in Frankfurt am Main. Wer ganz sicher gehen möchte, kann außerdem für die Reisedauer eine Kameraversicherung abschließen. Bei Verlust oder Diebstahl bekommt er den Schaden dann ersetzt.“

Ihre bisherigen Bildbände und DVDs sind vor allem Reiseerzählungen, während Sie Workshops eher im Sinne von Seminarveranstaltungen abgehalten haben. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, jetzt einen Workshop auf DVD/BluRay zu veröffentlichen?

„Ich fotografiere nebenher für die Seminare auch ‘didaktisch’. Das heißt, ich mache eine Aufnahme auch einmal in typischer Urlaubsfoto-Manier. Die zeige ich dann bei den Workshops herum, und wenn die Teilnehmer sie genug bestaunt haben, erkläre ich ihnen ‘Das ist eigentlich ein Foto für den Mülleimer’ und zeige anschließend, wie sich die selbe Szenerie wesentlich wirkungsvoller ablichten lässt. Das führt zu manchem Aha-Effekt. In meinem Archiv habe ich einen großen Fundus solcher didaktischer Aufnahmen, da lag es nahe, einen Workshop auf DVD daraus zusammen zu stellen. Das ist dann aber kein typisches schulmeisterliches Seminar, sondern auch der Unterhaltungswert und die Ästhetik kommen nicht zu kurz.“

Mehr Informationen über Reiner Harschers Arbeit, seine Multivisionen, Workshops, Bücher und DVDs, finden Sie auf seiner Website www.harscher.de. Eine ausführliche Rezension der aktuellen DVD können Sie in Kürze hier lesen.

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