Selektive Schärfe, faszinierendes Bokeh, ein großer optischer Zoombereich: All das und mehr fehlt den allermeisten Handy-Kameras. Wer beim Fotografieren auf solche Möglichkeiten Wert legt, besitzt in der Regel auch eine entsprechende Kamera. Wozu dann überhaupt eine Kamera im Handy? Unter anderem deshalb, weil Sie Ihr Handy immer dabei haben. Sieben Situationen, in denen Bildqualität (fast) keine Rolle spielt:
Im Parkhaus
Fünf Parketagen, auf jeder Etage Platz für 2.000 Autos – in jeder größeren Stadt, nicht zuletzt an Flughäfen, finden sich solche Parkhäuser. A propos finden: Schon mancher hat sich dort bei der Suche nach seinem Auto Blasen gelaufen, bloß weil er Stockwerk und Stellplatznummer nicht im Gedächtnis behalten hat. Das passiert Ihnen nicht mehr, wenn Sie es sich angewöhnen, nach dem Aussteigen diese Stellplatznummer, und, falls nötig, die Nummer des Stockwerks, zu fotografieren. Bei der Rückkehr genügt ein Blick auf die Aufnahme, und Sie wissen wieder, wo Ihr Auto steht.
In engen Parklücken
Auch wenn Sie Ihr Auto außerhalb eines Parkhauses abgestellt haben, droht Ungemach: Die einzige freie Parklücke ist derart eng, dass Sie sich nur mit großer Mühe aus Ihrem Fahrzeug schälen können, und Sie befürchten, dass Ihr Parkplatznachbar beim all zu rücksichtslosem Öffnen seiner Tür eine Delle in Ihren fahrbaren Schatz rammen könnte? Dann fotografieren Sie die Parksituation. Dabei sollte natürlich sowohl das Kennzeichen Ihres Fahrzeugs als auch das Ihres “zukünftigen Unfallgegners” zu erkennen sein. Stellen Sie später tatsächlich eine Schramme fest, können Sie die Farbe des “gegnerischen” Lackes auch gleich mit der Farbe des Fahrzeugs auf Ihrer Aufnahme vergleichen.
Beim Vergleich komplexer Angebote
Ob Sie nun einen neuen PC, eine Kamerausrüstung, einen Fernseher oder ein Auto kaufen wollen, meist unterscheiden sich die verschiedenen Angebote nicht nur im Preis. Netterweise fassen die Händler diverse Merkmale Ihres Angebotes oft auf einem Zettel zusammen – den Sie aber leider nicht mitnehmen dürfen. Spätestens beim dritten Angebot haben Sie wichtige Merkmale des ersten schon wieder vergessen. Es sei denn, Sie haben die Angebote fotografiert. Ein Blick auf Ihr Handy ermöglicht Ihnen einen detaillierten Vergleich.
Beim Anprobieren von Schuhen und Kleidung
Die Erfahrung zeigt, dass sich viele Frauen (und ein paar Männer) schwer tun, sich für oder gegen den Kauf eines Kleidungsstücks zu entscheiden, wenn keine Vertrauensperson zur Verfügung steht, die ihr Urteil dazu abgibt. Ein schnell geschossenes Selbstporträt oder eine Detailaufnahme vom frisch beschuhten Fuß, per MMS an die beste Freundin geschickt, ist kein vollwertiger Ersatz für eine Shopping-Begleitung, aber vielleicht in manchen Situationen die einzige brauchbare Alternative. Sie könnten sich natürlich auch auf Ihr eigenes Urteilsvermögen verlassen.
Mit Freunden oder Familie im Freizeitpark
Der eine bevorzugt die rasante Achterbahn, ein zweiter möchte unbedingt seine Schießkünste unter Beweis stellen, ein Dritter bekommt nicht genug davon, in einem künstlichen Baumstamm einen ebenso künstlichen Wasserfall herunter zu stürzen. Im Freizeitpark trennt sich, wer sonst zusammengehört – natürlich nicht, ohne vorher einen Zeit- und einen Treffpunkt zu vereinbaren. Und genau diesen Treffpunkt sollten Sie fotografieren, damit Sie in dem Labyrinth, das sich “Freizeitpark” nennt, den Rückweg finden – oder zumindest anderen Gästen zeigen können, wo Sie hinwollen, wenn Sie nach dem Weg fragen.
Wenn es gekracht hat
Unfall, Missgeschick, Panne – nennen Sie es, wie Sie wollen, auf jeden Fall wird jemand dafür bezahlen müssen. Wie es dazu gekommen ist, und was eigentlich genau passiert ist, darüber gehen später die Meinungen weit auseinander. Gut, wenn Sie dann die Fotos von Ihrem Handy vorzeigen können, auf denen der entstandene Schaden genau dokumentiert ist. Versicherungsgutachter und Juristen legen wenig Wert auf Bokeh und selektive Schärfe, und erwarten auch keine hohen Auflösungen: Handyfotos sind zur Unfalldokumentation bestens geeignet.
Wenn Sie ein Alibi brauchen
“Wo hast du wieder gesteckt?” – Eifersucht ist eine Untugend, an der auch die innigste Beziehung zerbrechen kann. Aber Sie müssen es Ihrem Partner/Ihrer Partnerin ja auch nicht unnötig schwer machen: Wenn Sie wieder einmal Stunden später als erwartet nach Hause kommen, weil Ihnen eine absolut irrwitzige Geschichte passiert ist, die Ihnen nicht einmal Ihre Mutter abnehmen würde, dann belegen Sie diese Geschichte doch mit ein paar Handy-Schnappschüssen. Das fördert die Kommunikation und festigt das Vertrauen in Ihrer Beziehung.







“Spätestens beim dritten Angeobt haben Sie wichtige Merkmale des ersten schon wieder vergessen” – danke! *g*
Blöd nur, wenn man des Geschäfts verwiesen wird, weil man (zu Vergleichszwecken) Produkte und Datenblätter fotografiert. Ist mir schon mehrmals passiert. Und Broschüren zu den Produkten konnte man mir auf Nachfrage auch nicht aushändigen.
Nach diesem Artikel könnte man meinen, dass ein Leben ohne Fotohandy zwar möglich, aber wertfrei und inhaltslos sei. Ich gestatte mir sogar den Luxus, völlig ohne Handy durchs Leben zu gehen. Und siehe da: ICH LEBE – vielleicht sogar mehr als andere, weil ich mich durch diese Scheißdinger nicht knechten lasse!!
Aber WENN man so ein Handy hat, finde ich die Anregungen ganz gut. Fotos bei Unfällen gibt es ja schon länger und früher wurden mal so Billigkameras verkauft die man ins Handschuhfach legen sollte…
So vorbeugende Fotos gegen Unfallschäden oder als Erinnerungshilfe im Parkhaus… darauf muß man erst mal kommen…
@Gucky: Vorbeugende Fotos gegen Unfallschäden… Das akzeptiert kein Gericht, außer, es wäre vielleicht ein Negativbild!!! Seit Bildnachbearbeitungsprogrammen wie beispielsweise Photoshop, kann alles manipuliert und jeder Kratzer problemlos retuchiert werden. Vor Gericht sind digitale Bilder bei weitem nicht so aussagekräftig, wie Negativbilder.
Zum einen möchte ich Dr. Satori zustimmen. Man kann in der Tat leben und überleben in dieser Gesellschaft sogar ohne Handy. Aber Ein Handy mit Kamera zwingt teilweise Kollegen sogar die Kammera zu zerstören, weil diese damit nicht an den Arbeitsplatz dürfen. Und man sollte diese Verbote nicht unterschätzen. Überall muss man die Abgeben oder sogar zum Auto zurückbringen. Die Kamera in dem Ding ist einfach nur nervend.
Und bei dem heutigen Preiskampf mit Handy/Foto in einen Verkaufsraum zu gehen und Preisschilder zu fotographieren, das ist schlicht und einfach nur Sehnsucht nach Ärger. Denn bisher musste der Spion des Konkurrenten sich alles merken. Und der Geschäftsinhaber möchte, dass das so bleibt.
Fahren Sie in eine enge Parklücke und fotographieren sie das, weil es zu eng war und reklamieren Sie dann einen Kratzer, dann kann der andere einwenden, dass er auf der anderen Seite eingestiegen ist, weil da mehr Platz war und der Kratzer von Ihnen stammt.
Mit anderen Worten: Kameras in Handy sind ein echter Krampf.
Die neuen Social-Media-Anwendungen lassen sich eigentlich ausnahmslos auch mit dem Handy benutzen, und ein Handy in der Kamera erleichtert es sehr, zum Beispiel ein Bild zu einem Twitter-Tweet oder zu einer Facebook-Statusmeldung mitzuschicken. Dazu kommt, dass die Bildqualitätskurve bei den Handy-Kameras noch deutlich steiler ist als bei den Digitalkameras. Will sagen: Gemessen an der üblichen Bildqualität vor drei Jahren hat sich bei den Handy-Cams richtig was getan. Bei meinem aktuellen Gerät tut es gar nicht mehr so schlimm weh;-)
Eine Kamera im Handy wird auch zunehmend wichtiger für das Funktionieren so mancher neuer Applikation. So liefert Google sein Android mit einer Applikation namens Google Goggles aus, das ist eine Bildersuche. Prinzip: Man fotografiert einen Gegenstand, das Handy analysiert Form und Farbe und sucht im Internet nach Informationen. Das funktioniert in der Praxis zwar noch nicht so toll, aber es gibt auch schon Anwendungen, die zum Beispiel den EAN-Barcode auf einer Produktverpackung scannen und nach Kaufangeboten und Preisvergleichen im Netz suchen. Auf meinem Handy ist eine Anwendung, mit der ich Visitenkarten fotografieren kann, das Handy scannt dann automatisch den Text und ordnet ihn verschiedenen Inhaltsfeldern zu. Anschließend kann ich die so gewonnenen Kontaktdaten auf meinem Handy speichern. Das funktioniert verblüffend gut.
Der nächste Schritt ist dann die so genannte Augmented Reality, bei der ich zum Beispiel ein Gebäude fotografiere: Das Handy erkennt anhand von GPS-Daten und Bildausschnitt, welches Gebäude ich fotografiert habe, und zeigt mir ergänzende Informationen an. Etc. p.p.
Für wen ein Handy mehr ist als ein tragbares Telefon, der wird diese Funktionen sehr schätzen. Wer wirklich nur ein Mobiltelefon will, kann viel Geld sparen und eins ohne Kamera für unter 20 Euro kaufen. Mir wäre das allerdings zu wenig.