“Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern”, hieß es einmal. Doch das Sprichwort lässt sich längst verkürzen: Nichts ist so alt wie die Zeitung. Punkt. Twitter-Nutzer kannten das Ergebnis der Wahl des Bundespräsidenten vor allen anderen, und konnten live miterleben, wie ein Airbus im New Yorker Hudson notwasserte. Keine von Medienkonzernen bezahlten Profi-Journalisten lieferten die ersten Bilder und Informationen, in New York waren es Passanten, die zufällig vor Ort waren und ihre Kamera-Handys dabei hatten.
Dass Sie bei ähnlich spektakulären Ereignissen vor Ort sind, ist zwar nicht unbedingt wahrscheinlich, aber Anlässe für eine Live-Berichterstattung ins Internet gibt es auch sonst genug: Die Hochzeit eines guten Freundes (inklusive Videoclip vom Ja-Wort), des Sprösslings erster Tag im Kindergarten, eine Expedition in eine exotische Gegend (vorausgesetzt, dort gibt es ein Mobilfunknetz) oder ein Segelschlag bei Windstärke 8 bieten reichlich Gelegenheit für eine Echtzeit-Übertragung der Geschehnisse, die Sie wahlweise einer “geschlossenen Gesellschaft” oder gleich der ganzen Welt zukommen lassen können. Eine von vielen Möglichkeiten stellen wir Ihnen hier vor. Sie benötigen dazu keinen Ü-Wagen und keine professionelle Ausrüstung – nur ein internetfähiges Mobiltelefon, mit dem Sie Fotos und Videos aufnehmen und per E-Mail verschicken können. Mit Hilfe der folgenden Hinweise sind Sie schon in zehn Minuten sendefertig.
Twitter als Nachrichtensender
Derzeit ist es mit keinem anderen Internet-Dienst möglich, in kürzerer Zeit mehr Menschen zu erreichen, als mit Twitter. Alles, was Sie dazu benötigen, ist ein Twitter-Konto, das Sie auf der Website des Dienstes anlegen können. Anschließend können Sie den Nachrichten (Tweets genannt) anderer Nutzer folgen, und damit beginnen, Ihre eigenen Nachrichten zu verfassen.
Sobald Sie eine Nachricht verfasst haben, erscheint diese normaler Weise bei allen Nutzern, die Ihren Tweets folgen, und ist über die Twitter-Suche auch für jeden anderen auffindbar. Wenn Sie Ihre Nachrichten an eine geschlossene Nutzergruppe richten wollen, ist aber auch das möglich: Unter “Einstellungen” finden Sie die Option “Meine Tweets schützen”.
Haben Sie diese Option gesetzt, kann ein anderer Ihren Tweets nur noch folgen, wenn Sie ihm das genehmigen. Wollen Sie zum Beispiel eine Gruppe enger Freunde und Verwandter an einem Familien-Ereignis teilhaben lassen, schicken Sie ihnen am besten zuvor per E-Mail die Adresse Ihres Twitter-Kontos, warten ab, bis diese Ihnen folgen und erlauben ihnen den Zugriff einzeln.
Grundsätzlich sind Tweets Textnachrichten mit einer maximalen Länge von 140 Zeichen – für Fotos oder gar Videos ist da eigentlich kein Platz. Aber für Links. Und hier kommt Flickr ins Spiel:
Flickr für Fotos und Videos
Flickr ist eine der größten Online-Fotoplattformen (auf der, seltener genutzt, auch Videos abgelegt werden können). Wenn noch nicht geschehen, müssen Sie zunächst auch hier ein Konto anlegen. Praktisch, aber nicht auf den ersten Blick ersichtlich, ist die Möglichkeit, Flickr mit Twitter zu verknüpfen. Nach dem Einloggen können Sie unter http://www.flickr.com/account/blogs Ihr Twitter-Konto als (Micro-) Blog hinzufügen. Sie benötigen dazu Ihre Twitter-Zugangsdaten, und müssen im Verlauf der Einrichtung den Zugriff von Flickr auf Twitter genehmigen.
Jetzt fehlt Ihnen nur noch eine Information: Die E-Mail-Adresse, an die Sie die Fotos und Videos schicken können, um sie auf Flickr abzulegen und den zugehörigen Link auf Twitter zu veröffentlichen. Sie finden diese E-Mail-Adresse unter http://www.flickr.com/account/?tab=email. Die “E-Mail-Adresse für Flickr2Twitter-Upload”, die dort hinterlegt ist, speichern Sie am besten gleich als Kontaktinformation in Ihrem Handy. (Halten Sie diese Adresse streng geheim. Sonst werden bösartige Zeitgenossen unter Ihrem Namen Fotos veröffentlichen, die Sie in ernste Schwierigkeiten bringen.)
Ähnliche Funktionen bieten übrigens auch Dienste wie yfrog, twitpic und ähnliche, diese Dienste bieten jedoch (noch) nicht die Möglichkeit, Videos herauf zu laden, und es mangelt ihnen an den umfassenden Bildverwaltungs- und Präsentationsfunktionen, derentwegen es Flickr zu so großer Beliebtheit gebracht hat.
Mit dem Handy auf Sendung
Von jetzt an sind Sie “sendefähig”. Sobald Sie mit Ihrem Handy ein Foto oder einen Videoclip aufgenommen haben, an dem Sie die Welt oder zumindest Ihre Freunde teilhaben lassen wollen, schicken Sie die Aufnahme an die zuvor gespeicherte Flickr-E-Mail-Adresse.
Der Rest läuft jetzt automatisch ab: Flickr speichert die Aufnahme, erstellt eine Kurz-Url wie http://flic.kr/p/xyz123 und reicht den Link an Twitter weiter. Der Betreff Ihrer E-Mail erscheint als Bildtitel auf Flickr und als Tweet-Text in Ihren Twitter-Nachrichten. Wenn Ihre Leser auf die Links in Ihren Nachrichten klicken, gelangen sie zu den Fotos und Videos. Tools wie Powertwitter blenden verlinkte Bilder sogar direkt in Ihre Tweets ein.






