Sie vermitteln die Illusion der Ewigkeit: Fotos führen uns zurück zu Orten, Dingen, Menschen und Situationen, die längst vom Strom der Zeit verschlungen worden sind. Dank der Allgegenwart digitaler Kameras wird heute mehr – und manchmal sogar besser - fotografiert als je zuvor. Doch die “Ewigkeit” bleibt eine Illusion: Digitale Fotos sind kaum weniger flüchtig als die Zeit selbst. Wer nicht vorbeugt, dem bleibt nur noch die Erinnerung.
Der alte Mann ist den Tränen nahe, als er seine Kamera im Fotogeschäft auf den Tresen legt. Bis vor ein paar Jahren hatte er noch auf Negativfilm fotografiert, den zum Entwickeln gebracht und seine Frau hatte die besten Fotos dann immer in ein Album geklebt und mit geschwungener Handschrift auf jede Seite ein paar Notizen gemacht. Dann hat sein erwachsener Sohn ihm eine Digitalkamera besorgt, mit einem großen Bildschirm auf der Rückseite, und einer Diashow-Funktion. Seitdem hat er kein Foto mehr entwickeln lassen, sie haben sich die Aufnahmen stattdessen gemeinsam direkt an der Kamera angeschaut, wenn ihnen danach war.
Vor einem halben Jahr ist seine Frau nun gestorben, und die Fotos von ihr wären alles, was ihm geblieben ist. Wären – denn als er an diesem Vormittag die Kamera einschaltet, bleibt das Display schwarz. “Bitte”, erklärt er mühsam dem Verkäufer, “die Kamera ist mir egal, aber vielleicht können Sie die Fotos irgendwie da herunter bekommen. Wenigstens die von meiner Frau.” Der Verkäufer weiß, die Reparatur der Kamera wäre teurer als ihr Neupreis. Er gibt dem alten Mann schließlich ein kleines Kartenlesegerät mit, vielleicht könne er damit die Fotos von der SD-Karte auf seinen Computer kopieren. “Einfach einstecken”, erklärt er noch, “Windows macht den Rest.”
Je größer der Speicherplatz, desto größer das Risiko
Ein paar tausend Fotos passen auf eine Speicherkarte. Ein paar hunderttausend auf eine Festplatte. Aber selbst für Profis, deren Bildbestand zugleich ihr Kapital ist, gehört eine Datensicherung auf einen separaten Datenträger noch längst nicht zu den Selbstverständlichkeiten der täglichen Arbeit. Dabei ist es überhaupt keine Frage, ob die Festplatte den Geist aufgeben wird – sondern nur, wann. Seit die Preise für Speicherkarten in den Keller gesunken sind, lassen viele Freizeitfotografen ihre Bilder gleich auf den Karten – mit nicht weniger fatalen Folgen, denn auch für Flash-Speichermedien schlägt früher oder später die Stunde, von dem ungleich höheren Verlustrisiko der Winzlinge einmal ganz abgesehen.
“Wozu lokal speichern, wenn der Platz im Internet (fast) nichts mehr kostet?”, fragen nicht wenige und vertrauen ihre Aufnahmen Flickr, den Picasa Webalben oder anderen Online-Plattformen an. Diese Plattformen haben durchaus ihre Berechtigung, ermöglichen sie es doch, Aufnahmen mit Freunden und Bekannten zu teilen, wo immer ein Internetanschluss zur Verfügung steht. Doch Aufbewahrungsorte für die Ewigkeit sind auch diese Plattformen nicht, und schon mehr als einmal sind als rein privat gekennzeichnete Aufnahmen durch Sicherheitslücken an die Öffentlichkeit gelangt. Auch wird niemand garantieren können, dass es diese Dienste in zehn oder zwanzig Jahren überhaupt noch gibt. Es sollen ja sogar schon Banken Insolvenz angemeldet haben…
Nur Papier ist geduldig
Wenngleich “Ewigkeit” ein für den Menschen nur schwer zu fassender Begriff ist, hat die Menschheit schon recht früh verstanden, Bilder und andere Daten so aufzubewahren, dass sie die meisten davon über längere Zeit erhalten blieben. Die ältesten ägyptischen Hieroglyphen zum Beispiel haben bislang mehr als 5000 Jahre überstanden, und wurden immerhin über einen Zeitraum von mehr als 3.500 Jahren aktiv benutzt – es ist höchst zweifelhaft, dass ein proprietäres Rohdatenformat, oder auch nur das Allerweltsformat JPEG, es auf diese Nutzungsdauer bringt. Wer möchte, dass auch noch seine Kinder und Enkel die Gelegenheit bekommen, die Welt durch seine Augen zu sehen, der kommt selbst mit der cleversten Backup-Strategie nicht weit: Er muss die digitalen Daten in analoge überführen – zu deutsch, auf Papier bringen: In Form von Ausbelichtungen, hochwertigen Ausdrucken oder zum Beispiel als Fotobuch. Omas alte Fotoalben sind der lichte Beweis für die Überlegenheit der analogen Bilder: Die Kanten mögen angestoßen sein, die Bildränder vergilbt, aber noch immer erlauben die alten Bilder einen Blick in die Lebenswelt der Großeltern. Dagegen sind viele auf CD gebrannte Fotosammlungen oft schon nach weniger als fünf Jahren schadhaft oder vollständig unbenutzbar.
Der eingangs erwähnte alte Mann hat Glück im Unglück gehabt: Sein Sohn hat die meisten Bilder von der nur leicht beschädigten SD-Karte retten können und ausbelichten lassen. Einige davon hat er gerahmt und an die Wand gehängt. Die anderen kleben in seinem Album, in dem auch seine Urenkel ab und zu gern blättern.







Habe mir zu diesem Zweck extra einen NAS zugelegt.
1,5TB Kapazität (2x 1,5TB als RAID-1) sollten erstmal ein wenig ausreichen …
Wenn ich damit an meine grenzen stosse dann gibts das ganze nochmal aber grösser … 4x 2TB als RAID-5 => also effektiv 6TB Kapazität
Auf CD’s / DVD’s brenne ich schon nicht mehr wegen der “geringen” Haltbarkeit …
Wirklich ein guter Beitrag! Ich bin immer noch mit mir am Hadern ob ich nicht meine besten Fotos entwickeln lasse. Ich sichere aktuell aber schon auf 3 Lokationen meine Bilder inklusive Amazon S3 (Auch Amazon könnte pleite gehen).
Ein paar besondere Fotos, die mir persönlich wichtig sind, hängen bei mir (in 40 x 30 und gerahmt) an der Wand. Und in den letzten Jahren habe ich es mir angewöhnt, nach einer Reise aus den besten Aufnahmen ein Fotobuch zusammenzustellen. Schlau geworden bin ich durch einen Headcrash einer Notebook-Festplatte voller persönlicher Erinnerungen vor sechs Jahren – jetzt schaffe ich mir immer ‘greifbare’ Erinnerungen. Das ist natürlich keine professionell nutzbare Strategie (Scans aus einem Fotobuch sind eher schlecht verkäuflich
), hat sich aber privat bewährt.