dream  Selbst die kreativste Tätigkeit wird irgendwann zur Routine: Motiv finden, Brennweite wählen, anvisieren, Belichtung und Fokus einstellen, abdrücken, fertig.  So mancher beginnt seine fotografische Laufbahn mit großen Ambitionen, schafft sich kostspielige Ausrüstung an, besucht Fotoseminare und beherrscht das Fotografieren tatsächlich bald im Schlaf. Und dann kommt das Gähnen: Immer seltener nimmt er die Kamera mit, wenn er aus dem Haus geht, selbst im Urlaub ist sie nicht mehr immer dabei. Nur manchmal noch denkt er “Das wäre jetzt ein schönes Motiv gewesen…”

So weit muss es nicht kommen: Die folgenden fünf Ideen (durchaus auch einzeln umsetzbar) bringen neuen Schwung in die alte Leidenschaft – und eröffnen dem, der sie umsetzt, nicht selten ganz neue Perspektiven:

1. 60 Fotos in 60 Minuten: Die Zeit läuft

An den Niagarafällen, in der Altstadt von Paris oder beim Malediven-Tauchgang ist das keine Herausforderung. In Ihrer vertrauten Umgebung aber schon. Starten Sie die Foto-Session genau deshalb in Ihrem Wohnzimmer und erkunden Sie Ihre Umgebung nach Fotografierenswertem. Sie haben pro Motiv eine Minute Zeit, und Sie dürfen das selbe Objekt nur dann ein zweites Mal ins Visier nehmen, wenn Sie es dabei in einen neuen fotografischen Kontext setzen. Tipp: Räumen Sie nicht auf, bevor Sie mit der Fotosession beginnen. Sie müssen die Bilder ja niemandem zeigen.

2. Die falsche Technik am falschen Ort

Innenräume fotografiert man am besten mit dem Weitwinkel, Porträts mit Telebrennweite, und große Plätze und üppige Landschaften eignen sich für ein 360-Grad-Panorama. Es gibt aber kein Gesetz, das Ihnen verbietet, auch von Ihrem Badezimmer ein 360-Grad-Panorama zu fotografieren. Oder eine atemberaubende Landschaft als (dann freilich völlig in Unschärfe versinkenden) Hintergrund für Makro-Aufnahmen zu verwenden. Oder Porträts mit Superweitwinkel aufzunehmen. Oder… lassen Sie Ihre Kreativität spielen, und fotografieren Sie einmal so, dass jeder, der meint, etwas davon zu verstehen, den Kopf schütteln würde.

3. Weg mit der Farbe

Per Bildbearbeitung können Sie natürlich mühelos aus jedem Farbfoto ein Schwarzweißbild machen. Aber fast alle Digitalkameras bieten auch die Möglichkeit, Fotos von Anfang an in Schwarzweiß oder Sepia-Tönung aufzunehmen. Damit verzichten Sie schon bei der Aufnahme bewusst auf das Gestaltungsmittel “Farbe” und können sich ganz auf die grafische Qualität der Aufnahme konzentrieren. Wenn Sie noch nie auf diese Art fotografiert haben, finden Sie so vielleicht einen völlig neuen Zugang zur Fotografie. Ihre Fotos werden auf jedem Fall aus der Masse herausragen.

4. Ein Tier als Model

Wann haben Sie zuletzt Ihr Haustier vor der Kamera gehabt? Sie haben gar keines? Dann besuchen Sie Freunde, die eines haben, und leihen Sie sich deren “besten Freund” für eine kleine Fotosession aus. Das unberechenbare Verhalten eines Vierbeiners oder Federviehs ist eine hervorragende Schulung sowohl für Geduld als auch für Reaktionsvermögen. Tierquälereien, etwa der Einsatz von Hilfsmitteln zur Fixierung oder übertriebener Einsatz des Blitzlichts, sind natürlich tabu.

5. “Tabu” spielen mit der Kamera

“Tabu” ist ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Der Spieler hat die Aufgabe, einen vorgegebenen Begriff so zu erklären, dass sein Team ihn erraten kann, muss dabei aber auf die Verwendung all zu eindeutiger Wörter verzichten. Das geht auch mit der Kamera: Verzichten Sie bei einem Zoobesuch zum Beispiel bewusst darauf, Tiere zu fotografieren, oder porträtieren Sie die Stadt, in der Sie leben, ohne Häuser ins Bild zu nehmen. Wichtig: Legen Sie die Regeln vor Beginn der Fotosession fest, und ändern Sie sie bis zu deren Ende nicht mehr.

Wenn Sie den fotografischen Kick noch weiter steigern möchten, kombinieren Sie mehrere dieser Ideen miteinander: Machen Sie von Ihrem tierischen Kameraden zum Beispiel 60 (unterschiedliche!) Aufnahmen in 60 Minuten, oder kombinieren Sie die “falsche Technik” mit dem Schwarzweiß-Modus. So manche eingerostete Beziehung zwischen Fotograf und Kamera könnte so neuen Schwung bekommen.

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