Canon AE-1 Program Belichtungszeit, Blende, Lichtempfindlichkeit, vielleicht auch noch die Wahl zwischen manueller und automatischer Fokussierung und der Selbstauslöser: Wie diese Parameter an ihrer Kamera gesetzt werden, wissen die meisten Hobby-Fotografen. Doch moderne Digitalkameras, selbst solche in den unteren Preisregionen, bieten etliche Funktionen darüber hinaus. Überflüssiger Schnickschnack? Manchmal schon. Aber wie gut kennen Sie Ihre Kamera wirklich? Ein Rundgang, auf den Sie Ihre Kamera mitnehmen sollten:

Display und/oder Sucher: Optimaler Durchblick

Ihr Display respektive ein elektronischer Sucher zeigt in der Regel nicht nur das gerade anvisierte Motiv, sondern einige Informationen darüber hinaus. Welche das sind, lässt sich oft mit einem Tastendruck verändern. So blenden viele Kameras von Kodak beispielsweise nach einem Druck auf die “i”-Taste erst einmal sämtliche Zusatz-Informationen aus, nach einem weiteren Druck auf diese Taste erscheint (abhängig vom Aufnahmeprogramm) aber sogar ein sich dynamisch an die Lichtsituation anpassendes Histogramm.

In das Display lassen sich zudem oft Hilfslinien einblenden, die zum einen eine exaktere Ausrichtung der Kamera an den waagerechten und/oder senkrechten Bildlinien erleichtern, zum anderen dabei helfen, bei der Bildkomposition die Drittel-Regel oder den goldenen Schnitt zu beachten. Manchmal zeigt das Display zudem einen künstlichen Horizont oder eine elektronische Wasserwaage, die dem Fotografen helfen, die Kamera exakt auszurichten. Schon allein dafür lohnt es sich, ein wenig im Kameramenü herum zu stöbern.

Autofokus: Was der Scharfmacher wirklich kann

Gerade Hobbyfotografen belassen den Autofokus in der Regel auf Werkseinstellung. Bei der überwiegenden Mehrzahl aller Aufnahmen leistet er dann auch gute Arbeit – bloß manchmal stellt er einfach nicht auf das Objekt scharf, das der Fotograf gern im Fokus hätte. Deshalb bieten viele Kameras einen Spot-Autofokus, bei dem der Fotograf vor der Aufnahme mit Hilfe eines Wippschalters selbst bestimmen kann, an welchen Bildelementen sich der Autofokus bei der Schärfebestimmung orientieren soll. Zwischen dem mittenbetonten Autofokus (meist als Standard voreingestellt) und dem frei wählbaren Spot-Autofokus bieten viele Kameras diverse Zwischenlösungen, die aber in jedem Fall eine exaktere Festlegung der Schärfe-Ebene ermöglichen, als es die Standard-Einstellung tut.

Eine andere Sache ist die Wahl zwischen “Single”- und “Continuous”-Autofokus. Beim Continuous-Autofokus versucht die Kamera kontinuierlich, das anvisierte Motiv scharf zu stellen, selbst wenn Sie sie unmotiviert baumeln lassen. Der Vorteil: Die Auslöseverzögerung vom Druck auf den Auslöser bis zur tatsächlichen Belichtung nimmt spürbar ab – in der Regel ist der Autofokus mit seiner Arbeit ja schon fertig, bevor Sie abdrücken. Der Nachteil: Die Mechanik wird um ein vielfaches stärker in Anspruch genommen, und der Akku ist spürbar schneller erschöpft. Weil in manchen Situationen das Akku-Durchhaltevermögen wichtiger ist als sofortige Schussbereitschaft, ist es wichtig, zu wissen, wie Sie bei Ihrer Kamera zwischen Single- und Continuous-Autofokus wechseln können.

Bildbe- und verarbeitung in der Kamera

“Bildbearbeitung in der Kamera ist pfui. Ich fotografiere nur im RAW-Format, und bearbeite erst später am Computer.” – so denken und handeln viele Profis, und übersehen dabei, dass die kamera-interne Bildverarbeitung nicht automatisch mit Qualitätsverlusten verbunden sein muss, sondern auch für Profis nützliche Funktionen bieten kann. Zum Beispiel ein Tagging-System: Gerade wer semi-professionell fotografiert, kommt nicht umhin, seine Bildsammlung zu verschlagworten. Einige Kameras bieten die Möglichkeit, schon vor Beginn einer Aufnahmeserie Tags, also Schlagworte, zu definieren, die jedem folgenden Bild automatisch zugewiesen werden. Vor dem Fotografieren auf der Skipiste könnten das zum Beispiel “Schnee”, “Ski”, “Piste” und “Gletscher” sein. Auch wenn Profis nicht umhin kommen, später noch weitere, bild-individuelle Tags zu ergänzen, erleichtern solche Möglichkeiten die Nacharbeit doch ganz erheblich – und funktionieren oft auch in Kombination mit RAW-Aufnahmen.

Aber auch Hobby-Fotografen, die auf eine aufwändige Nacharbeit verzichten wollen, tun gut daran, sich im Kamera-Menü nach Bearbeitungs-Optionen umzusehen. So bieten praktisch alle Kameras eine automatische Nachschärfung der Aufnahmen, deren Intensität sich einstellen lässt. Auch für die Farbwiedergabe stehen im Kameramenü Optionen zur Auswahl, die von “kräftig” über “natürlich” bis hin zu “sepia” und “schwarzweiß” reichen können. All zu oft bleiben diese Optionen unangetastet, obwohl sie durchaus kreative Möglichkeiten zur Bildgestaltung darstellen.

Fazit: Spielen lohnt sich

Wissen Sie eigentlich, was Ihre Kamera kann, und wie Sie diese Funktionen nutzen? Wenn nicht, dann nehmen Sie sich bei nächster Gelegenheit ein oder zwei Stündchen Zeit, nehmen Ihre Kamera (und vielleicht auch das dazu gehörige Handbuch) zur Hand, und spielen mit den Funktionen herum. Dabei entdecken Sie wahrscheinlich mehr Funktionen, als Sie Ihrer Kamera überhaupt zugetraut hätten.

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